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Einfahrt nach Acapulco

In Iguala hatte sich am nächsten Morgen, als um 5:45 Uhr, der Wecker geklingelt hat, herausgestellt, dass das leckere Hähnchen vom Vortag doch nicht so lecker war. Oskar und mich hat es gleich mit erhöhter Temperatur erwischt, Anja nur ein bisschen.

Da bleiben wir doch noch einen Tag, obwohl wir von Palmen, Pool und Pfauen (in voller Pracht) an dem Tag nichts mehr mitkriegen. Am nächsten Tag  ist das Fieber weg, Oskars Laune bestens, also zuckeln wir weiter. Nachdem ich am Vortag fast nichts gegessen habe, geht es dementsprechend langsam, aber trotzdem auslaugend voran.

Heute zeigt uns Mexico zum ersten- aber leider nicht zum letzten mal ganz ordentlich die Zähne: Die Temperaturen sind nochmal deutlich höher als an den Vortagen  und überall wo wir uns zwecks Pause niederlassen werden wir mit so lautem Gedudel beschallt, dass wir uns kaum unterhalten können. Das ganze toppt der vermeintlich verschlafene Ort Xolitla, in dem wir uns direkt neben der Kirche im Schatten für Siesta (11-16 Uhr) ausbreiten. Kaum ist der Gottesdienst vorbei, beschallen die den ganzen Ort. Einfach so.

Am Abend zelten wir noch idyllisch an einem Flussufer und können uns im Fluss noch etwas abkühlen.  Um 23 Uhr hat es im Zelt immer noch 38 Grad und wir schlafen dementsprechend schlecht.

Den Tiefpunkt der Motivation erreichen wir dann am nächsten Tag. Soweit wir bisher gefahren waren in Mexico, gab es mindestens alle 2 km ein Restaurant, eine Getränkebude, Kiosk oder ähnliches. Auch immer mitten in der Pampa. Diesmal kommt auf 30km nichts, Orte, die auf der Karte eingezeichnet sind, existieren auch nicht.

Bei einem Wasserverbrauch von 2l/h (radelnd) sind wir schnell am Ende mit unseren Vorräten. Wir erbetteln uns erst noch was von den vorbeifahrenden  Autos, als das Thermometer am Lenker aber dann 59 Grad anzeigt geben wir es auf noch bis zu einem Restaurant zu fahren und hauen uns neben die Strasse unter unser Sonnensegel.  Von Bauarbeitern bekommen wir ein paar Liter Wasser geschenkt. Nur gegen den Unterzucker hilft das Wasser natürlich nichts.

Unsere Motivation ist am Boden, Oskar ist quietschfidel, treibt nur Unfug und Sophie lacht. Als das nicht hilft  um uns aufzuheitern und von unseren sehr kurzfristigen Kanadaplänen (da ist es doch bestimmt kühl) abzuhalten, fabriziert Sophie  eine solche Kaka-katastrophe (Eltern wissen vermutlich was wir meinen, Nicht-Eltern wollen es glaube ich nicht wissen), das wir gar nicht anders können als zu lachen. Um 17 Uhr geht es dann bei Gegenwind bis in den nächsten Ort Zumpango. Die 37km und 500Hm haben uns komplett geplättet.  Dort nisten wir uns in einem Motel mit großem Innenhof zum Spielen für Oskar ein. Die Wirtin hat auch noch zwei kleine Töchter und die Sache ist perfekt. Um Kraft und vor allem wieder Mut zu tanken wird der nächste Tag ein Ruhetag und erst dann geht es weiter nach Acapulco.  

Oskar frägt schon ungeduldig wann wir wieder Fahrrad fahren und auch Sophie guckt ganz zufrieden als wir sie nach dem Tag Pause wieder in den Ritschie setzen. Um richtig Strecke zu machen, macht man was? Richtig! Man fährt auf die Autobahn. Machen wir jetzt auch. Wegen der Maut ist dort fast niemand unterwegs, die Steigungen sind harmloser, die Strecke direkter und es gibt einen breiten Seitenstreifen nur für uns.

Der Trainingseffekt scheint zuzuschlagen, aber vielleicht wars auch nur der Geruch vom Meer: In zwei Gewaltetappen von je über 60 km und 700 Hm beamen wir uns nach Acapulco.

Um zu den Stränden und Boulevards zu kommen müssen wir uns erstmal durch den Moloch quälen. Es gibt einen schnellen, direkten Weg mit Tunnel, der netterweise für Fahrräder gesperrt ist, und dann den Weg über den Berg gemeinsam mit hunderten von wild hupenden Taxis, Käfern, Trucks, Bussen, Minibussen.  Nach jeder Serpentine machen wir Pause, das Thermometer zeigt schon wieder 57 Grad an, und haben den Berg nach 1 h auch geknackt. Immerhin  haben wir so den Blick über die ganze Stadt.  Vollgas geht es dann mit den hunderten von Taxis, Käfern, usw. den Berg runter bis zur Küstenpromenade, an der wir uns ein Hotel suchen.

Kurz die Route geprüft - wir kommen nicht nochmal nach Acapulco, nehmen wir halt mal ein besseres Hotel (wichtiges Kriterium: wir können direkt mit den bepackten Fahrrädern ins Zimmer reinfahren). Später geht es dann zum Strand, Oskar ist to tal begeistert vom Meer und lässt sich von den Wellen immer wieder über den Haufen spülen. Das, was unserem aktuellen Romanhelden nicht gelingt, nämlich die Durchquerung der Sierra bis zum Meer haben wir geschafft (wenn auch auf der Supercarretera).

 

Da gönne ich mir doch als Sundowner noch ein Bierchen - welche Marke wohl: Pacifico!

 

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