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Sophie mit mexikanischem Papa

Wir sind inzwischen in Cuajinicuilapa angekommen. Die Tage in Acapulco waren schön, es war nur etwas seltsam zu wissen, dass wenige Meter hinter den aufgeräumten Boulevards und Touristenflaniermeilen das wohl richtige Mexico anfängt, deutlich unaufgeräumter und etwas erdiger.

 Ansonsten ist Acapulco die gnadenlose Partystadt. Mit den Kids haben wir uns aber auf die Partybusse beschränkt - wenngleich die auch so gute Musik gespielt haben, dass ich Lust auf mehr gehabt hätte. Um die ganzen coolen Bars und Clubs allerdings gefüllt zu erleben muss man wohl zur Saison kommen. Acapulco zu verlassen war ähnlich anstrengend wie reinzufahren -> 300 Höhenmeter durchs Stadtviertel Acapulco Diamante, sprich Nobelabsteigen, Villas und die besseren Restaurants.

Machen den Berg aber auch nicht flacher. Sehr flach wurde es dann gleich hinter Acapulco, als uns das gewohnte Mexico wieder hatte. Auf einer Höhe von 10 m +- 2m geht es auf endlosen Geraden immer der Küste entlang. Die nächsten Tage finden wir einen ganz guten Rhythmus und fahren nur noch Vormittags bis ca. 1130 und suchen uns dann einen Pool zum Verweilen des restlichen Tags, und zelten dort dann auch.

 Oskar ist ganz begeistert vom Wasser und will die ganze Zeit nur noch tauchen und ins Wasser springen (hat er sich wohl von den Acapulco Cliff Divern abgeschaut - nur an die 35m kommt er noch nicht hin).  

 Gegend und Landschaft haben sich gegenüber der Sierra vor Acapulco nochmal deutlich geändert. Es ist jetzt zum einen sehr flach mit nur sanften Hügeln, alles ist grün und die Luftfeuchtigkeit nimmt zu. Nach einem Bier aus dem Kühlschrank hat man auf dem Tisch einen See von Kondenswasser (aber im Vergleich zu den Mexikanern trinke ich vielleicht zu langsam und auch zu spät - manche sieht schon man schon um 830 mit der ersten leeren Coronaflasche in der Hand).

 Obwohl wir auf der Hauptverkehrsader fahren, ist nur wenig Verkehr und die Zahl der Kreuze am Wegesrand ist auch noch erträglich. Die Leute leben immer ärmlicher, die Häuser bestehen teilweise nur aus Holzgeflecht, Lehm oder sowieso nur aus einem Dach mit einem Bett drunter. Jetzt während der Trockenzeit sieht das ja alles noch erträglich aus, aber wenn dann mal der Regen kommt...

Nach Cuajinicuilapa war der nächste grosse Ort Santiago Pinotepa National. Endlich eine grosse Stadt mit Bankautomaten - wir kommen dort mit nur noch 10 Pesos an (weniger als 1 Euro).  Am Abend ist dort grosses Volksfest mit Karussells und allem. Oskar will natürlich sofort mitfahren und ist so begeistert, dass er gar nicht mehr aufhört zu plappern, auch als das Karussell sich dreht, so dass wir nur bei jeder Umdrehung einen Wortfetzen mitbekommen.

Mexikanische Sicherheitsstandards sind etwas entspannter als bei uns. Der Starkstromanschluss erfolgt über zusammengezwirbelte Kabel, die dürftig mit Tape isoliert sind. Wäre ja noch nicht so schlimm, aber das ganze ist nur 15 cm vom fahrenden Karussell entfernt.

 Im durchaus ordentlichen Hotel hatten wir Oskar auf dem Gang im 2. Stock und im Treppenhaus rumlaufen lassen, nur um später zu entdecken, dass einen Stock höher das Geländer zum Innenhof komplett gefehlt hat.

 Am nächsten Tag wollen wir Siesta mal wieder bei einem Pool einlegen, aber wie auch am folgenden Tag finden wir zwar einen Pool, aber leider kein Wasser drin. Wir bleiben aber trotzdem dort bei der schönen Anlage und ruhen uns im Schatten aus. Die Wirtsleute sind so sympathisch, dass wir uns die Abendetappe schenken und gleich dort zelten.

Als Abendessen bestellen wir Sopa de Marisco, also Suppe mit Meeresfrüchten, das ganze entpuppt sich als ein, den ganzen Teller einnehmender Taschenkrebs mit etwas Flüssigkeit untendrunter.

Wir sind beide in der Richtung etwas unbedarft und haben daher eine echte Herausforderung vor uns. Unser Spanisch ist in der Zwischenzeit soweit gediehen, dass wir mit Leuten, denen die Grammatik nicht so wichtig ist, einigermassen unterhalten können.  Unser Gastgeber hat auch noch eine Plantage mit 5000 Maracujabäumen und so gibts für mich (Hannes) noch Tequila mit gefrorenem Maracujasaft. Gar nicht schlecht.

 

Unser nächster Halt, Puerto Escondido, vom Reisefuehrer als zweites Acapulco angekündigt, entpuppt sich als Surfer-  und Hippiestadt mit durchaus Charme. Angesteckt vom allgemeinen Surffieber, versuche ich mich am ersten Tag mit Bodysurfing und am zweiten leihe ich mir ein Bodyboard. Es dauert ewig, bis ich endlich eine Welle richtig erwische. Die nimmt  mich dafür gleich so mit, dass ich bis an den Strand gespült werde und mir im Sand die Hüfte ordentlich aufschürfe.

Morgen fahren wir mit dem Bus über die Sierra Madre nach Oaxaca, eine Stadt, die wohl ein touristisches Muss darstellt, und wenn wir dann in drei Tagen wieder zurück in Puerto Escondido sind, dann muss ich noch am anderen Strand "the world´s fastest breaking waves" in Angriff nehmen.

 

 

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