Am 9.5. sind wir von Puerto Escondido aus mit erholten Beinen weiter Richtung Süden gestartet. Bei der Mittagspause erzählt uns ein ausgewanderter Italiener von einer alternativen Route, malerisch, direkt am Meer, nicht ganz so weit wie unser ursprüngliches Ziel (nur eine Stunde), weniger Berge, ... wir sind schon überzeugt.
Es stellt sich dann schnell heraus, das zwar malerisch und alles gestimmt hat, aber die Berge sind dafür die steilsten die wir bisher hatten. Und aus der einen Stunde werden dann schnell drei und wir sind immer noch nicht in Puerto Angel, dem Zielort. Um den geplanten Rhythmus von Städten und Etappen aufrechterhalten zu können müssen wir einen Extratag einschieben bis nach Puerto Angel und dann noch von der Küste wieder weg, steil den Berg hoch bis zum Highway.
Wir sehens positiv und genießen noch ein paar Stunden am Strand. Am Nachmittag überlegen wir noch, ob wir per Bus oder per Laster den Berg rauffahren sollen, entscheiden uns dann aber für Sportsgeist und nehmen den Berg Richtung Highway in Angriff. Kurz darauf begegnen wir den ersten anderen Reiseradlern: überholen die uns doch ganz locker aufgeladen auf einem Pickup.
Die rufen "Easy Travelling", ich: "Lazy Bones". Drei Tage später hängen wir bei angehender Mittagshitze mal wieder an einem Berg und haben noch ein ganzes Stück vor uns. Frägt uns der Fahrer von einem leeren 40 Tonner, ob wir denn nicht mitfahren wollten. Wir überlegen keine zwei Sekunden und sitzen schon drin. So sparen wir uns ein paar Liter Schweiss. Und dann ist es natürlich nicht nur für Oskar spannend zu erleben, wie sich die engen und kurvigen Bergstrassen hinter der gigantischen Motorhaube von dem Truck anfühlen.
Erlebnis besonderer Art bildet noch die künstlich hochgezogene Touristenhochburg Huatulco. Kurz bevor wir dort ankommen ist die Strasse noch halbwegs normal, mal abgesehen von "Müll abladen verboten"-Schildern, die man aufgestellt hat (ohne Wirkung). Kurz vor der Abzweigung liegen noch die Tierkadaver im Strassengraben, nach der Abzweigung: 6 statt 2 Spuren, blühende Büsche, grüner Golfplatzrasen, Palmen usw. Wir nutzen die Gelegenheit angesichts der grossen Konkurrenz zwischen den Hotels, ein Hotel mit Pool für wenig Geld zu finden, so dass Oskar sich mal wieder richtig austoben kann. Macht er dann auch.
Am nächsten Tag fahren wir noch eine Zeitlang dem Golfplatz entlang, dann ist der ganze Spuk wieder vorbei. Am Abend gibt es dann Kontrastprogramm, wir übernachten in dem Ort "Rio Seco" (trockener Fluss), zelten bei einem Bauern, der uns dann sogar noch zum Abendessen einlädt. Die Nacht wird sehr heiss und unruhig, erst bellt ein Hund vor unserem Zelt stundenlang, dann kreischen die Vögel und ab 4 Uhr krähen ein halbes Dutzend Hähne. Um 7 wird schliesslich über Lautsprecher geweckt, aber da steigen wir schon aufs Rad.
In der Stadt Salina Cruz (13.5.) gibt es für uns den vorerst letzten Berg zu überwinden, danach kommt der Istmus von Tehuantepec, die Landesenge, ab der Nordamerika aufhört und Mittelamerika anfängt. Hier ist einfach alles plattes Land und die Strassen sind endlose Geraden, auf denen auch ordentlich der Wind pfeift. Abwechslung bietet einmal ein Fluss, an dem wir den Nachmittag verbringen mit Fischern zuschauen, Fisch essen, baden und kleine Wasserfälle erkunden.
Oskar kanns natürlich nicht lassen und nimmt einen ordentlichen Schluck von Flusswasser und hat am nächsten Tag zum ersten mal in Mexiko Durchfall. Nachdem wir uns da gerade mitten in der Pampa auf unserer ersten Offroadetappe befinden, ziehen wir Oskar sicherheitshalber wieder eine Windel an. Auf dem Feldweg den wir fahren ist es sehr schön, absolut ruhig und einsam und es gibt ein paar mehr Kurven als auf der Strasse. Anfangs ist der Weg noch sehr glatt und wir kommen gut voran, später wird es sehr steinig, so dass wir insgesamt nur 33 km heute schaffen und trotzdem geschafft sind.
Beim Lesen in unserem Reiseführer wird uns wieder bewusst, dass wir an der Hauptattraktion von Mexico wohl vorbeifahren werden, wenn wir der Pazifikroute einfach weiter folgen. Eine der am besten erhaltensten Mayastätten ist Palenque und liegt 500 km im Landesinneren.
Wäre noch nicht so schlimm, wenn die Strasse nicht auch noch über mehrere Sierras mit über 2200m Höhe ginge. Die Busfahrt dauert 11h und nach der Erfahrung mit der Fahrt nach Oaxaca haben wir darauf auch keine Lust. Wir entscheiden uns mit dem Bus bis zu Tuxtla zu fahren und von dort aus mit einem Mietwagen mit dem für uns passenden Rhythmus nach Palenque zu fahren und auf dem Weg auch noch einiges anzuschauen. Oskar ist von der Spielburg bei McDonalds in Tuxtla schon so begeistert, der müsste wohl gar nicht mehr die weiteren 300 km bis Palenque fahren.
Erster Stop ist San Cristobal, eine kleine gemütliche touristisch gut vorbereitete, aber entspannte Stadt auf 2100m, in der es am Abend so schön kühl ist, dass wir zum ersten mal unsere langen Hemden anziehen können. Huevos a la Mexicana können wir so langsam wirklich nicht mehr sehen, und so gibt es am nächsten Morgen leckeres Continental Breakfast im Casa de la Pan. Wegen der Croissants könnte man zwar in Paris verklagt werden, aber uns schmeckt es trotzdem. Nach einem Museumsbesuch machen wir uns auf den Weg nach Palenque.
Wie weit ist das? 5 bis 6 Stunden. Auf dem Strassenschild steht 210 Kilometer. Komisch, wie passt das zusammen? Ich muss den Mann an der Tankstelle wohl falsch verstanden haben. Es passt dann doch genau. Die Strecke ist eine einzige Passstrasse, mal bergauf, mal bergab, mal rechts um die Kurve, mal links um die Kurve, aber garantiert nie geradeaus. Dem Auge ist Abwechslung geboten, zunächst geht es durch Kiefernwälder, dann kommen Almwiesen mit Kühen wie in der Schweiz, dann gibt es felsige Schluchten und schliesslich zieht sich über alles immer dichter werdender Regenwald. Und dann sind wir auch da.
Nachdem Oskar von den Ruinen am Monte Alban in Oaxaca nicht wirklich begeistert war, haben wir ihn diesmal besser darauf vorbereitet, ihm genau erklärt, was für Ruinen wir uns anschauen werden und dass diese mitten im Dschungel gebaut sind, in dem es auch viele Tiere gibt. Diesmal war Oskar dann nicht zu bremsen, ist gleich beim ersten Tempel die steilen Treppen hochgeklettert und hat mit uns zwischen verwinkelten Mauern verstecken gespielt. Tatsächlich sehen wir dann noch in den Bäumen Affen klettern. Oskar ist zufrieden und spielt im Schatten von einem Baum lange Zeit ganz selbstversunken mit einem Stein und Stock.