Von Nagarote aus sind es ja eigentlich nur 35 km bis nach Managua, aber da ich(Hannes) mich immer noch nicht vollständig gesundheitlich erholt habe, müssen wir viele Pausen machen und Literweise Cola trinken. Managua war im Reiseführer schon als weniger sehenswert angekündigt und wir werden auch nicht wirklich warm mit der Stadt.
Es gibt kein richtiges Zentrum, Unterkünfte sind in dem einen Stadtteil, die Kathedrale direkt an der Stadtautobahn mit riesigem Parkplatz und zum Einkaufen drängt sich eine große Mall mit amerikanischen Geschäften an nochmals anderer Stelle auf. Als es noch anfängt zu regnen wird der triste Eindruck nur vervollständigt.
Für die Kinder besorgen wir uns neue Ausweise, da die bisherigen schon vollgestempelt sind und wir keine Probleme bei den nächsten Grenzen bekommen wollen. Das zwingt uns einen Tag zusätzlich zu bleiben. Macht aber nichts, Oskar muss sowieso noch den Pool unserer Herberge in alle Richtungen abtauchen.
Masaya
Dann geht es auf breitem Highway nach Masaya. Wir radeln an grünen Vulkanen vorbei, dazwischen malerisch eingebettet Seen, seltsamerweise Lagunas genannt. Für den nächsten Tag nehmen wir uns vor den Volcano de Masaya zu besuchen. Die bisherigen Vulkane waren mit den Kindern nicht zu besteigen, hier geht die Strasse aber direkt bis zu dem Kraterrand.
Unser Hotelwirt beschreibt uns die Strecke als sehr harmlos und nur wenig steil - böser Fehler:
Traue niemals den Beschreibungen eines Autofahrers. Obwohl wir ja diesmal gar kein Gepäck dabei haben, wird es eine rechte Schinderei (>15%). Obwohl ich wieder gesund bin, muss ich Pausen machen: prompt die Stimme aus dem Anhänger: "Papa, weiterfahren!". Oben entschädigen uns dann die verblüfften Gesichter übergewichtiger Touristen aus USA für unsere Mühen. Es gibt zwei Krater an dem Vulkan. Der eine ist noch aktiv und sendet Schwefel- und Chlorwolken als wir dort sind. Mit seinen steilen Abbrüchen ohne jeden Bewuchs wirkt er sehr Lebensfeindlich. Der andere Krater ist schon wieder vollständig grün, mit Bäumen, Gras und Blumen bewachsen. Und als Oskar und ich den Kraterrand entlang wandern, fliegen bunte Schmetterlinge um uns herum.
Oskar spielt Bergsteiger und der Papa ist so stolz. Am Abend treffen wir noch Peter aus Hamburg, der einen großen Teil seines Lebens in Nicaragua gelebt hat. Mit der Machtübernahme der Sandinisten musste er allerdings das Land verlassen, da er direkt für den Somoza-Clan gearbeitet hat, der das Land über Jahrzehnte hinweg diktatorisch beherrscht hatte. Er hängt noch sehr den alten Zeiten nach und schimpft über die Kommunisten, die das Land kaputt gemacht hätten.
Granada
Die Strasse nach Granada wird gerade auch zu einem breiten Highway umgebaut, allerdings kommt das für uns zu spät, wir plagen uns noch über furchtbares Gehoppel die 19 Kilometer nach Granada. Die Stadt hat aber dafür alles, was wir in Managua vermisst haben, insbesondere Herzlichkeit und Wärme.
Dazu finden wir mit dem Hostel Oasis die bisher perfekteste Unterkunft, allein der grüne Innenhof ist so einladend und gemütlich, dass man sich die Stadt gar nicht mehr anschauen müsste. Oskar freut sich über einen kleinen Pool im zweiten Hof, und begeistert dort die Leute mit seinen Schwimm- bzw. Tauchkünsten (Atmen zwischendurch ist nicht so wichtig). Vier Tage bleiben wir in Granada, warten auf unser Schiff nach Ometepe und machen Urlaub von unserer Reise.
Ometepe
Auf einer Art Bananendampfer geht es am 18.7. über den Lago de Nicaragua Richtung Isla de Ometepe. Der Süsswassersee ist so groß, dass er auch Mar Dulce genannt wird. Die Insel besteht aus zwei Vulkanen, die sich Stück für Stück aus dem Wasser gespuckt haben, und sich auch gerade so berühren. Vier Stunden dauert die Überfahrt, bei grandiosem Sonnenuntergang legen wir schließlich an. Bis unsere Räder an Land sind ist schließlich stockdunkel und wir müssen noch 4 Km nach Altagracia fahren - wie sich herausstellt auf der schlechtesten Strasse überhaupt.
Von unserem Hotel will uns ein Minibus abholen, der natürlich nicht mit soviel Gepäck gerechnet hat. Die Kinder fahren im Bus mit, und der fährt hinter uns her, während wir uns über die steinige Piste quälen. Am nächsten Tag erkunden wir die Insel per Rad und suchen uns einen schönen Strand um mit den Kindern baden zu gehen. Oskar gefällt es sehr gut, weil die Wellen im Gegensatz zum Pazifik viel friedlicher, sprich genau seine Größe sind. Nach zwei Tagen geht es mit der gleichen Fähre weiter Richtung San Carlos. Beim Einladen müssen wir zunächst ewig warten, bis das Schiff in aller Ruhe bis unters Dach mit Bananenstauden, Melonen und Papayas beladen wird. Als wir dann unsere Fahrräder an Bord nehmen, soll alles in 30 Sekunden gehen und die Typen fangen an uns die Packtaschen vom Rad zu reissen! Aber mit etwas erhöhtem Blutdruck + erhöhter Lautstärke kriegen wir auch das geregelt und alles ohne Schaden verstaut. Als wir zum ersten Mal wieder aufschauen, schippern wir schon Richtung San Carlos am östlichsten Punkt des Lago Nicaragua. Wir breiten auf dem offenen Deck unsere Isomatte aus, drapieren rundherum unsere Packtaschen und die Kinder schlafen dort schnell ein. Gott sei Dank regnet es in der Nacht nicht.
Anja und ich schlafen etwas unruhig, weil das Schiff mehrere Male an Häfen hält und einen Teil der Ladung ablädt. Wir können aber unsere Sachen beisammen halten und in der Früh um halb sechs erreichen wir leicht gerädert San Carlos. Nach dem Standardfrühstück (Reis, Bohnen und Rührei) kümmern wir uns um die Ausreiseformalien und unser Boot nach Los Chiles auf der Costa Rica Seite. Das ganze zieht sich ziemlich und als wir dann endlich im Boot sitzen, hat Oskar keine rechte Lust mehr und wir müssen aufpassen, dass er in seiner Boykottlaune nichts Wichtiges über Bord schmeißt. Es geht mit einer Launcha für ca. 20 Personen den Rio Frio hinab, durch dichtesten Regenwald und wir können viele Vögel, Affen und sogar einen Kaiman sehen. Der Kaiman sitzt vollkommen still mit offenem Mund auf einem Baumstamm und wartet offenbar darauf, dass ihm die Nahrung in den Mund fliegt.
Am 22.7. erreichen wir den Grenzposten von Costa Rica.