Los Chiles
In dem Grenzort Los Chiles in Costa Rica gehen wir in den Supermarkt zum Vorräte auffüllen und der Unterschied zwischen dem ärmsten Land (Nicaragua) und dem reichsten Land (Costa Rica) in Zentralamerika wird gleich sehr deutlich: Während es in Nicaragua viele Läden gibt deren Sortiment über Klopapier, eine Sorte Kekse und Sardinendosen kaum hinausgeht, sind hier in Costa Rica die Regale bis unter die Decke gefüllt und es gibt sogar in dem kleinen Grenzort Milka Schokolade.
Wir radeln durch eine schöne Landschaft mit viel Viehwirtschaft immer in Richtung Zentralmassiv auf San Jose zu. Laut Karte sollte die Strecke ja zunächst sehr platt sein. Um keine Langeweile aufkommen zu lassen geht es aber in so einer Frequenz rauf und runter, dass sich das Schalten gar nicht lohnt. Am Straßenrand finde n sich jetzt oft gemähte Wiesen, auf den wir gut pausieren können und Oskar hat viel mehr Spielfläche als in irgendeinem Restaurant. Ganz bis rauf nach San Jose wollen wir aber gar nicht fahren, in Ciudad Quesada ändern wir den Kurs Richtung Norden, zur Karibikküste hin.
Da im Osten von CR eine Bergkette die Pazifik- von der Karibikküste trennt, müssen wir uns schon früh entscheiden, auf welcher Seite wir nach Panama fahren wollen. Das erste Mal in ganz Zentralamerika ist auf unserem Weg ein "Camping" ausgeschildert und wir sind schon ganz gespannt. Es stellt sich dann raus, dass das Camping Teil einer vollintegrierten Adventuretouristenanlage (Direktimport aus USA) ist und die Nacht in bereitgestellten Zelten $50 p.P. kosten würde. Dass wir unser eigenes Zelt mitbringen ist gar nicht vorgesehen und übersteigt dann auch schlagartig die Flexibilität des Ladens.
Wir fahren die Strasse 500m zurück und werden bei einem Costa Ricaner fündig, der Cabinas anbietet und uns für $4 zelten lässt.Ueber Puerto Viejo geht es weiter bis nach Guapiles, dort wollen wir uns mit Freunden treffen: Anjas Bruder Florian und seine Freundin Annette kommen nach Costa Rica. Oskar spricht schon seit Wochen von nichts anderem, als Onkel Lolo und Annette in CR zu sehen. Nach 3000 Km durch Zentralamerika treffen wir die beiden auf der anderen Seite der Erdkugel, als hätten wir uns irgendwo in der Kaufingerstrasse von München verabredet. Die beiden bringen uns ein neues Tretlager, Schokomüsli und einen ganzen Stapel Pixibücher für Oskar und Sophie mit.
Eine Woche wollen wir jetzt zusammen per Bus durch CR reisen. Gemeinsam geht es zunächst nach Tortuguero, einem Nationalpark an der Karibikküste speziell für eierlegende Schildkröten. Zwei Stunden dauert die Anfahrt in einer Launcha durch verschiedene natürliche Kanäle, bis wir eine Lagune und den Ort Tortuguero erreichen. Um 10 Uhr abends machen Anja und ich uns zusammen mit einer Führerin auf, um die Schildkröten zu beobachten. Kurz bevor wir am Strand ankommen setzt ein tropisches Gewitter ein, der Himmel ist rabenschwarz und es stürmt fürchterlich. Zum Beobachten der Schildkröten ist das gar nicht schlecht, zumindest wenn es blitzt ist alles taghell.
Den Schildkröten ist die Weltuntergangsstimmung vollkommen egal, die legen brav ihre hundert Eier, scharren das Loch in einer Gemütsruhe zu und robben dann wieder langsam in die Brandung. Komplett wahnsinnig die Tiere, bei dem Wetter wieder in das nicht gerade freundlich dreinblickende Meer zurückzuwollen. Dann geht es weiter nach Fortuna, dem Ausgangsort, um den aktiven Vulkan Arenal zu besuchen. Hier unternehmen wir schöne Wanderungen durch den Nebelwald direkt unterhalb des Vulkans. Die Bergspitze ist leider auch im Nebel und so hören wir insbesondere das Rumpeln, wenn Steine oder Lava ausgespuckt werden. Am Ab end gönnen wir uns noch ein Leckeres Essen im speziellen Arenal Observatory. Und ab und zu schaffen es dann doch noch einige Lavaströme aus dem Nebel raus, leuchtend orange wälzt die Lava sich bergab.
Obwohl wir so nur ein kleinen Teil der tatsächlichen Aktivität sehen ist das schon sehr beeindruckend. Letzter Wegpunkt der gemeinsamen Reise soll Monteverde sein. Zunächst per Schiff über den Lago Arenal und dann in einem Minibus geht es über eine holprige Schotterstrasse immer bergauf nach St. Elena und dem Nationalpark Monteverde. Die erste Wanderung im Regenwald ist so wie es wohl sein muss: Regen aus Eimern. Am nächsten Tag bei besserem Wetter und hochmotiviertem Oskar wandern wir bis zu einem Aussichtspunkt an der Wetterscheide zwischen Atlantik und Pazifik -> Oskar läuft und läuft und läuft bis er nicht mehr kann und schläft dann sofort ein, als ich ihn auf die Schultern nehme. Beim Parkausgang kommt dann noch eine junge Tarantel auf uns zugekrabbelt.
Wir beäugen uns und als die Tarantel einen konkreten Annäherungsversuch unternimmt bin ich schnell wieder weg. Nach einer Woche gemeinsamen Reisens trennen wir uns wieder, uns zieht es Richtung Panama, die beiden anderen wollen sich noch mehr in CR ansehen. Zwei Tagesetappen trennen uns noch von Puerto Limon, der Hafenstadt an der Karibikküste. Auf dem Highway quälen nicht nur wir uns mit den Fahrrädern, sondern auch der Frachtverkehr von San
Jose zum wichtigsten Hafen von Costa Rica. Wir fahren Samstag und Sonntag, da ist der Verkehr schon etwas weniger, und beobachten bei jedem überholenden Laster im Rückspiegel wie viel Platz uns zum Radeln bleibt.
Da das nicht immer besonders viel ist, müssen wir immer wieder mal in den Schotter, aber zumindest kommen wir so heil und mit gutem Gewissen an. Hier auf der Karibikseite wähnt man sich auf Jamaika, es gibt sehr viele Schwarze, Dread Locks Rastafari und die Farben gelb, rot und grün in Form von Bob Marley T-Shirts und fiesen Mützen sind auch vorherrschend. Um alle Klischees zu erfüllen, hört man überall Reggae, und das nicht nur aus den Touricafes. Die Stimmung ist gut, gleich der erste "Jamaikaner" fragt wohin wir wollen und fährt uns dann den Weg bis zu unserer Herberge mit dem Auto voraus. Unser Weg führt uns jetzt immer die Karibikküste entlang, es trennt uns oft nur ein Streifen Palmen vom Meer. Der ganze Verkehr ist netterweise in Puerto Limon geblieben und so werden dies sehr schöne Etappen für uns. Je näher wir nach Panama kommen desto mehr nehmen die Bananenplantagen zu.
Eine Riesenstaude steht neben der anderen, gegeneinander abgespannt, weil die modernen Züchtungen sonst umfallen würden. Die Bananenbüschel werden per Lift aus den Plantagen transportiert und an zentraler Stelle in Chiquitacontainer für den Rest der Welt gepackt. Wir haben jetzt täglich Regen und das auch nicht zu knapp. Die letzten Kilometer Richtung Puerto Viejo meinen wir trotzdem schnell noch durchziehen zu müssen - dafür sind wir aber auch zwei Tage beschäftigt wieder alles trocken zu kriegen. Vor der Grenzstadt Sixaola auf CR Seite hatte man uns wg. allerlei finsterer Gestalten gewarnt, aber leider geht es nicht anders aus und wir müssen dort übernachten. Wir bekommen es nur mit vielen lachenden Kindern zu tun - auch gut. Am nächsten Tag (11.8.) geht es dann über eine Eisenbrücke nach Panama.