Panama
Wir haben uns noch Sorgen gemacht, ob wir ohne explizites Weiterflugticket, sondern nur mit handschriftlicher Buchungsnummer nach Panama einreisen dürfen. Der Grenzer hat dann ohne auch nur einmal hinzugucken vier Einreisestempel in unsere Pässe gehauen. Auf staubiger Holperstrecke geht es zunächst nach Changuinola. Nach wenigen Kilometern rumpelt es fürchterlich - wir haben ein Rad von unserem Kinderanhänger verloren. Die Klemmung hält leider immer weniger obwohl wir schon Plastikfolie unterlegen. Unsere Kinder freuen sich über die extra Pause und Oskar geht mal wieder Stöcke sammeln. Hoffentlich bringt er keine Schlange mit. Kurz hinter Changuinola kommt eine Panamasche Sparbrücke, die eine echte Herausforderung darstellt: Auf eine alte Eisenbahnbrücke werden links und rechts Bretter auf die Schwellen gelegt, so dass der Autoverkehr jeweils in eine Richtung drüber fahren kann.
Die Bretter sind zu schmal für den Ritschie und die Schwellen haben einen zu großen Abstand, als dass wir einfach drüber fahren könnten. Halb schiebend, halb tragend brauchen wir für die 300 m sicherlich eine Viertelstunde und verursachen so in beiden Richtungen einen ziemlichen Stau, den die Autofahrer aber geduldig hinnehmen. Bis nach Almirante sind es noch 19 km, auf der Karte sieht es mal wieder nach einer absoluten Flachetappe aus, in Realität geht es ständig steil bergauf und bergab. Auf halber Strecke werfen wir uns entnervt in den Strassengraben und sammeln erst mal wieder Kräfte. Wie schön die Landschaft ist sehen wir erst auf der letzten langen Abfahrt. Almirante ist eine hässliche staubige Hafenstadt mit einer Atmosphäre, dass wir ständig Angst haben beklaut zu werden.
Am nächsten Tag um 7 rollen wir gemütlich au f eine Roro-Fähre und sobald wir Richtung Isla Bocas del Toro unterwegs sind genießen wir das Meer und den Blick auf die vielen kleinen Inseln. Nachdem Bocas del Toro das Tauchparadies in der Gegend ist und mich (Hannes) die Begegnung mit der Meeresschildkröte ziemlich beeindruckt hat, zieht es mich auch unter Wasser. Da ich der einzige bin, der sich z.Zt. für einen Kurs interessiert, bekomme ich Einzelunterricht vom Besitzer der Tauchschule. Wie sich herausstellt war er bis vor kurzem Projektmanager in London, hätte jetzt aber sein "Real Life" hinter sich gelassen. Für mich ist es gut, nach wenig Theorie sind wir schon im Meer und der erste Baracuda schwimmt an uns vorbei. Vier Tauchgänge sind es insgesamt und wir sehen jede Menge Korallen, bunte Fische wie bei Nemo, einen Rochen, Lobster, Moränen, Quallen und ein Schiffswrack.
Jeder Tauchgang dauert um die 35 Minuten, aber es ist alles so neu und so spannend, dass die Zeit wie im Fluge vergeht. Per Wassertaxi geht es nach 4 Tagen wieder ans Festland nach Almirante und von dort aus nach Chiriqui Grande. Die Etappe ist wieder ähnlich mörderisch, wie die nach Almirante - nach 65 km und 950 Hm geben wir auf, halten kurz den Daumen raus und sitzen auch schon in einem Pickup. Es wären bestimmt noch mal 15 km gewesen. Aber wir brauchen unsere Kräfte noch für den nächsten Tag. Jetzt geht es nämlich einmal quer über die Kordilleren wieder auf die Pazifikseite. 1400 Hm geht es teilweise fies steil bergauf, bis wir über den Pass drüber sind. Man hatte uns ja prophezeit, dass es auf der Pazifikseite jetzt regelmäßig regnet, aber dass es genau am Pass anfängt zu schütten hatten wir uns auch nicht gedacht. Gedacht hatten wir uns auch, dass wir noch bis zu dem Lago Fortuna (Stausee) fahren und uns dort einen schönen Zeltplatz suchen.
Aber dann regnet es immer mehr, es geht ständig Hügel rauf und runter und die Kinder (und die Eltern) haben auch keinen Bock mehr. Also schlagen wir unser Zelt auf dem Zeltplatz der Verzweiflung auf, direkt an einem Ablaufkanal der Strasse. Es gibt hier aber auch keine andere geeignete Stelle. Die Kinder finden es super mal wieder im Zelt zu schlafen, die Eltern sorgen sich wg. allerlei Getier, dem ständig steigenden Wasserspiegel in dem Kanal direkt vor unserer Zelttür und den kaputten Muskeln, die morgen noch ein paar Hügel bewältigen müssen. Am nächsten Tag ist der Himmel schon heller, und die Hügel schon deutlich flacher. Wir genießen die Landschaft (es schaut aus wie in der Schweiz) und düsen Richtung Pazifik bergab. Eine Etappe fahren wir der Panamericana entlang, auf der so gut wie kein Verkehr ist, obwohl es die einzige richtige Verbindung per Strasse von Panama nach Costa Rica und dem Rest von Mittelamerika ist.
Dann biegen wir auf ein noch ruhigeres Sträßchen ab, das uns in drei Tagen über Sona nach Santiago führen soll. Gleich zu Anfang verlieren wir das Rad vom Ritschie, aber in einer gemütlichen Pause am Straßenrand mit vielen Stöcken für Oskar ist das nicht so schlimm. Nachdem wir beinahe von einer Kuhherde überrannt werden, brechen wir wieder auf, der Asphalt verlässt uns und offroad holpern wir weiter. Bei dem Schotter kommen wir manche Anstiege nicht hoch, aber die Landschaft und die Ruhe tut so gut, dass es trotzdem Spaß macht zu radeln. Genau zum richtigen Zeitpunkt taucht eine Bar auf allerdings mit etwas seltsamen und besoffenen Gestalten. Das Essen ist uralt und einer wird aufdringlich. Wir verdrücken uns bald und leider schafft es der Aufdringliche noch auf sein Pferd und begleitet uns schwankend ein Stück. Einem entgegenkommenden Fußgänger droht er mit der Reitgerte.
Zum Glück landet er aber bald im Strassengraben, nur die Füße ragen noch raus. Wir radeln weiter bergauf, bergab, Schotter wechselt sich mit Asphalt ab. Da so gut wie nie ein Auto vorbeikommt, machen wir unsere Pausen auf der Strasse und die Ruhe entspannt uns alle. Wir zelten im Vorgarten einer der ärmeren Familien. Es gibt kein fließend Wasser und Strom, das Wasser wird aus dem Fluss geholt und mit der Dunkelheit gehen alle ins Bett. dafür ist mit dem ersten Licht die Familie auf den Beinen und wartet geduldig auf ihr Frühstück, das dauert, weil erst Feuer gemacht werden muss. Eine etwas skurrile Situation: wir mit unserem Kocher und Zelt und gleich daneben Holzfeuer. So schön wie die erste Etappe geht’s am Sonntag weiter nach Sona und dann nach Santiago zurück auf die Interamericana. Die Stadt wirkt nach der erlebten Ruhe und Idylle unglaublich laut und hektisch.