In Santiago legen wir noch einen extra Ruhetag ein, bevor es weiter auf der Pazifikseite Richtung Panama City geht. Über Aguadulce und Penonome erreichen wir aber erst in San Carlos mal wieder einen richtigen Strandort. Wir campen bei einer Surferschule direkt am Strand und Oskar ist selig. Der flache Strand ist ideal für ihn, bei Ebbe läuft noch stundenlang Wasser aus dem oberen Teil des Strandes und wir können Kanäle bauen, Seen anlegen, Staustufen (schon mal vorbereitend für den Panamakanal). Die Brandung ist auch ganz friedlich und Oskar lässt sich immer wieder über den Haufen spülen. Als es ihn dann doch mal etwas schlimmer zerlegt, helfe ich ihm auf und frage: "Sollen wir jetzt nicht lieber wieder etwas langsamer machen?" - "Nein - schneller!". Am Abend bringen wir Sophie dann schon mal ins Bett und der große Bruder darf mit uns noch ein Lagerfeuer am Strand machen. Er beschließt gleich, dass er jetzt auch schon ein bisschen erwachsen ist.
Richtung Panama City nimmt der Verkehr immer mehr zu und die Orte werden zunehmend hektisch und nervig. Da sind wir froh als wir über eine Bergkuppe fahren und vor uns die Puente de los Americanos sehen, die den Panamakanal unmittelbar vor dem Ausgang in den Pazifik überspannt. Damit alle Schiffe durchpassen, hat sie in der Mitte eine Höhe von über 100 m. Die müssen wir dann auch erst noch hochradeln, dummerweise ist der Seitenstreifen jetzt weg und wir haben die ganzen großen Trucks direkt im Nacken. Am Eingang der Brücke hat uns noch eine Polizeistreife fröhlich zugewunken, in der Mitte der Brücke steht plötzlich noch ein Polizist und meint mit dem Fahrrad dürften wir hier nicht fahren. Ihm fällt dann aber Gott sei Dank auch nichts anderes ein, als uns schnell weiterzuwinken und wir sausen der Skyline von Panama City entgegen. Bevor wir aber auch nur in die Nähe der Wolkenkratzer kommen, geht es erst mal vorbei an den fiesen Vierteln. Hier in der Stadt tritt die Armut besonders hässlich zu Tage.
Auf dem Land gibt es zwar sicherlich genauso Leute mit sehr wenig Geld, aber dort gibt es für diese Menschen wenigstens natürlichere Formen das Leben zu führen als in der Stadt. Der Kontrast zwischen Arm und Reich ist nicht so groß und lässt den Leuten mehr Selbstrespekt. Die Leute, die auf dem Land in einer kleinen Hütte von dem leben, was ihr Acker hergibt, sind dann in der Stadt die, die den Müll durchwühlen und unter einem Dachvorsprung schlafen. Wir sind auf jeden Fall erst mal sehr geschockt und unsere Freude über die Ankunft im Zielort von Zentralamerika bekommt einen ordentlichen Dämpfer. Um zu unserem Hotel zu gelangen müssen wir noch durch einige Viertel fahren, vor denen unser Führer neben der wohl allg. recht hohen Kriminalität in Stadt explizit warnt.
Da Sonntag ist, sind Bürgersteige und Balkone reich bevölkert und alle schauen uns zu, während wir eingeschüchtert durch die Strassen rollen und jeden Moment damit rechnen, dass der erste versucht uns eine Tasche vom Rad zu reißen. Passiert natürlich nicht und als ich dann noch probeweise die Hand zum Gruß hebe, winkt eine besonders muskulöse Gruppe von potentiellen Gangstern freundlich zurück. Vier Tage bleiben wir in der Stadt, besichtigen die Schleusen am Panamakanal, nutzen die Infrastruktur und kaufen ein, essen lecker (gleich mehrere Abschiedsessen von Zentralamerika) und bereiten unser Gepäck für den Flug vor. Besonders gut gefällt uns der Teil Casco Viejo, ein altes Stadtviertel mit Kolonialgebäuden, das gerade anfängt "In" zu werden und wo sich einige schicke Restaurants und Kneipen finden lassen. Am 1.9. steigen wir dann ins Flugzeug und ab geht es nach Quito in Ecuador. Wir wollten ja ursprünglich mit dem Schiff fahren, aber die einzige Möglichkeit Frachtschiff schied aus, weil dort aus Sicherheitsgründen keine kleinen Kinder mitfahren dürfen. Na ja auch gut - so können wir in Quito von 2700m aus starten ohne einen einzigen Berg gefahren zu sein.