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Vier Akklimatisierungstage in Quito (2700m), haben wir auch dringend nötig, da wir in Panama zuletzt immer auf Meereshöhe rumgegurkt sind. Anja und ich haben ganz ordentlich Kopfweh, die Kinder sind ganz gut gelaunt und spielen stundenlang mit den Kartons "Höhle", "Schiff", "Flugzeug" und "Küche". 

Unser Gepäck und auch den Ritschie können wir direkt in Empfang nehmen, die Fahrräder kommen erst einen Tag später an.  Bis auf ein abgebrochenes Rücklicht, das wir bis jetzt eh nicht gebraucht haben, ist alles Heile. Unser Herbergsvater stellt uns seinen Hinterhof zur Verfügung, um Räder und Ritschie zu montieren, und ich nutze die Chance die Räder vom Kinderanhänger so zu fixieren, dass sie uns nicht mehr verloren gehen. Um die Akklimatisierungszeit gut zu nutzen, treten wir dem South American Explorers Club bei und recherchieren in deren Bibliothek einiges für unseren weiteren Weg.


Dann geht es endlich los, nach einer Woche Pause in Panama City und Quito, wollen wir endlich wieder radeln. Die Ausfahrt aus Quito gestaltet sich denkbar unangenehm: Es geht ewiglang durch alle Vororte den Berg rauf und mit uns quälen sich Dutzende russender Busse und Laster bergauf. Wir haben noch einiges zu schnaufen in der Höhe (bis 3200m).  Die Panamericana läuft als Avenida de los Volcanes an Cotopaxi und Chimborazo vorbei immer nach Süden. Leider ist es z.Zt. recht wolkig, so dass wir von den hohen Bergen nicht viel sehen. Bei Lasso entschließen wir uns eine Detour ins Hinterland über Sigchos, Chilatoa, Zumbahua wieder zurück nach Latacunga an der Panamericana zu unternehmen. Lt. Unserem Reiseführer eine sehr schöne Runde zum Radeln "because only few sections of the road are cobbled or rough". Was dann die nächste Woche folgt, ist der bisher härteste Teil unserer Reise.

Auf  Strassen, die aus einzelnen Steinen zusammengewürfelt sind, auf Schotter (durchaus rough) und auf Sand geht es über bis zu 4000 m hohe Pässe. Jeden Tag fahren wir über 1000 Hm und der Wind (=Sturm) kommt immer von vorne. Die Landschaft belohnt uns für unsere Strapazen mit Ausblicken in tiefe Canyons und sehr idyllischen Wiesen zum Pausieren. Oskars Stöckesammelleidenschaft nimmt extreme Formen an (ohne fünf Stöcke in jeder Hand geht er nicht mehr aus dem Haus) und er heißt deshalb auch nur noch "Stockinger". Auf der Hälfte der gesamten Runde kehren wir für drei Tage in der Eco Lodge Black Sheep Inn ein. Vegetarisches Essen, Kompostklo, Solarzellen, und "friendly animals", d.h. z.B. Hunde für die man sich nicht mit Stöcken (Oskar ein Dankeschön an der Stelle) oder Steinen bewaffnen muss.

Wir fühlen uns sehr wohl, unternehmen Wanderungen oder faulenzen und schauen den Lamas zu (auch sehr friendly - spucken nicht). Wir treffen eine Familie, die mit ihren beiden (schon etwas älteren) Töchtern auch für ein Jahr unterwegs ist. Deren Konzept ist auch nicht schlecht, sie besuchen insgesamt 12 Orte auf der Welt und bleiben dann dort jeweils für einen Monat, um Land und Leute kennen zu lernen. Die Etappe von Black Sheep Inn (Chuchchilan) nach Zumbahua stellt von den Leuten, denen wir begegnen ein arges Kontrastprogramm dar. In einem abgelegenen Ort machen wir Pause und schauen der Dorfjugend beim Fußball zu. Die grüsst zwar, zeigt aber kein weiteres Interesse. Irgendwann wagt sich dann einer zu uns und fängt eine nette Unterhaltung an, 10 Sekunden später sind wir von allen anderen auch umringt. Dass der Ort abgeschnitten von Außenwelt ist, zeigt sich, als man uns bittet ein gemeinsames Foto zuzusenden und es dann der gemeinsamen Anstrengung aller bedarf die Postanschrift aufzuschreiben.


Je näher wir dann nach Zumbahua kommen, einem Ort, der an Markttagen von vielen Touristen besucht wird, desto seltsamer und unangenehmer werden die Begegnungen. Die Kinder schreien vielleicht noch kurz "Hola", dann nur noch "Plata, plata" (Geld), schmeißen uns Sachen hinterher, wenn wir weiterfahren.  Mich drängt ein Pickup in diverse Schlaglöcher und ein paar Burschen hängen sich bergauf an Anjas Gepäckträger. Als wir müde und erschöpft in der Stadt ankommen, werden wir sogar dort noch von Hunden aggressiv verbellt. Es braucht einige freundliche Worte der Herbergsmutter, ehe wir wieder an das Gute im Menschen auch in Zumbahua glauben können.


Am nächsten Tag geht es endlich wieder auf Teer weiter. Wild entschlossen, die heute anstehenden Pässe zügiger zu erklettern, radeln wir los und werden bald vom Wind ernüchtert, der irgendwie immer in unsere Richtung bläst: bergauf, bergab, Serpentine nach links, Serpentine nach rechts. Nur einmal kurz vor dem ersten Pass führt die Strasse durch einen tiefen Einschnitt im Geländer, der den Wind bündelt, so dass der uns den steilen Berg hoch schiebt. Zwanzig Meter später ist der Spaß schon wieder vorbei, der Wind kommt in gleicher Stärke von der Seite und wirft uns fast um. Selbst schiebenderweise habe wir (berechtigte) Angst jeden Moment im Strassengraben zu landen.

Um drei erreichen wir den höchsten Punkt auf der bisherigen Reise: der Pass hat knapp über 4000m. Bevor es zu spät wird suchen wir uns noch einen Zeltplatz und werden neben einer Polizeistation fündig. Die freundlichen Polizisten geben uns sogar noch gefiltertes Wasser und das Klo dürfen wir auch benutzen. Die Station ist auf 3850 m Höhe und wir können so gleich sehen, ob wir schon bereit sind für das Altiplano in Bolivien. Sobald die Sonne weg ist, wird sehr kalt mit dem vielen Wind, aber wir kuscheln uns in unsere Schlafsäcke und kochen im Vorzelt, da wird es dann auch schnell warm.


Am nächsten morgen stehen 1000 Hm Abfahrt an und obwohl wir fast alles angezogen haben was wir dabei haben, kommen wir fast erfroren unten im Tal an. Der eiskalte Wind weht immer noch. DieKids sitzen windgeschützt im Kinderanhänger und sind "bacherlwarm", als wir sie in Pujili für eine Runde heiße Schokolade und Pandulce wieder rausholen. Es geht über leichtes Hügelgelände dann noch ein wenig weiter, und schon um 11 sind wir in Latacunga und damit wieder an der Panamericana.