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Von Latacunga aus wollte ich eigentlich noch den Vulkan Cotopaxi besteigen, aber nachdem sich dieser schon seit mehr als einer Woche  ständig in Wolken gehüllt hatte, habe ich diesen Plan dann aufgegeben.


Es geht dann auf der Panamericana zunächst nach Ambato und von dort aus über einen Pass haarscharf am Chimborazo vorbei nach Riobamba. Wir fühlen uns beide sehr gut und gehen die Passfahrt richtig sportlich an. Schon nach drei Stunden sind wir die 1200 Hm hochgespurtet. Chimborazoblick gibt es zur Belohnung leider nicht, wir sehen nur Wolken. Riobamba ist die Ausgangsstation für den berühmten Devil´s Nose Train nach Alausi. Und so wundern wir uns auch nicht, am Abend den ein oder anderen Touristen in Riobamba zu sehen. Als wir am nächsten Tag unsere Räder zum Zug bringen staunen wir aber dann doch nicht schlecht, als schon 200 andere "Gringos" in Gore-Tex-Jacken, Zip-Off-Hosen und Alpacamützen auf dem Dach des Zuges hocken. Vier Stunden dauert die Fahrt bis Alausi, Oskar und Sophie schlafen in fremden Armen.

Heute ist der Himmel wolkenlos, so dass wir endlich mal den Chimborazo in der Ferne sehen können. Ab spätestens 10 Uhr bedeutet das aber auch, das uns die Sonne erbarmungslos röstet und wir gewagte Sonnensegel für Sophie und Oskar bauen. Nach Alausi fährt der  Zug dann noch um die berühmte Devil´s Nose herum, ein so steiler Abschnitt mit Spitzkehren, dass der Zug einzelne Serpentinen rückwärts runterfahren muss. Nach 4 Stunden Fahrt, schmerzendem Hintern und inzwischen quengeligen Kindern können wir uns nicht mehr richtig für die technische Meisterleistung des Eisenbahnbaus begeistern.

Von Alausi aus windet sich die Strasse über Bergrücken, führt tief in die Flusstäler hinein, und was laut Karte nur 20 km sein sollten werden 40 km und dank vieler Höhenmeter eine ausgewachsene Tagesetappe. Am nächsten Tag geht es weiter bergauf bergab Richtung Cañar. Der starke Gegenwind bremst uns gewaltig, so dass wir noch eine zusätzliche Nacht im Zelt einlegen müssen. Eine Familie lässt uns auf ihrem Grund zelten und warnt uns schon vor dem Wind. Aber Hannes meint: "Alles Training für Patagonien". Es stellt sich dann heraus, dass unser Zelt zwar sehr sturmstabil ist, aber auch seine Grenzen hat -> verbogene Zeltstange. Zudem sind wir am nächsten Morgen doch sehr verblüfft zu sehen, dass der Wind auch den Ritschie auf den Kopf gestellt hat.


Aus einer anfänglichen Schlappheit heraus entwickelt Sophie schnell ein ordentliches Fieber und so bleiben wir in Cañar für drei Tage. Der Arzt diagnostiziert einen Rota Virus und meint, dass sich das von selbst wieder legen muss. Oskar ist dafür ganz glücklich - wir besuchen regelmäßig den Spielplatz. Die Ruinen von Ingapirca, auf die wir uns schon gefreut hatten, können wir leider nicht besuchen, da dort gerade renoviert wird.


Nach drei Tagen geht es Sophie immer noch nicht besser und wir beschließen nach Cuenca weiterzufahren, um dort eine bessere medizinische Versorgung zu haben. Es sind zwar über 70km, aber dank Rückenwind läuft es ganz gut.
Leider bringt ein Journalist, der uns unbedingt noch im Hoteleingang interviewen will, etwas aus dem Rhythmus, Anja geht mit der kranken Sophie schon mal hoch ins Zimmer und als ich später unser Gepäck alleine hochbringe, nutzt das eine Gruppe von Dieben aus (gleich 5 an der Zahl), um mir eine Fahrradtasche quasi direkt unter dem Hintern wegzuklauen. Das uns so was in dem einen Jahr mal passieren würde, war uns zwar klar, aber leider haben die Diebe mit der Tasche auch CDs mit jede Menge Bildern von unserer Reise geklaut, die wir nicht ersetzen können. Wir starten noch einige Bemühungen (Belohnung in dem Zeitungsartikel über uns aussetzen, am Schwarzmarkt nach den gestohlenen Sachen suchen und Polizei) um wieder an unsere Sachen zu kommen, die fruchten allerdings alle nicht. Bei Sophie stellt sich neben dem Virus noch eine Halsentzündung ein, die das Fieber noch eine Weile weitertreibt, dann geht das Fieber endlich abwärts und als wir nach einer Woche wieder auf der Strasse sind, ist der Ärger fast vergessen.


Wir radeln bei Nebel und leichtem Niesel noch etwas auf der Höhe dahin, dann soll es langsam aber sicher von den Anden runter. Hier ist viel Milchwirtschaft - die Kühe vom Typ Holstein produzieren gute Milch: auf einer Art Almhütte essen wir Yoghurt und trinken heiße Schokolade um uns aufzuwärmen. Oskar startet mit der 3-jährigen Tochter der Besitzerin einen freundschaftlichen Boxkampf/-tanz. Irgendwann ist ihr das allerdings zu langweilig und sie fängt an etwas energischer zuzuhauen. Oskar ist das noch gar nicht gewöhnt und er macht ganz große Augen.
1000 Höhenmeter tiefer ändert sich die Landschaft dramatisch - es ist jetzt alles arid, nackter Fels und ein paar wenige Kakteen, nur tief in der Schlucht fließt der Fluss und versorgt einen schmalen grünen Streifen. Noch mal 500 Hm Abfahrt später wird dann wieder alles grün, jetzt allerdings mehr mit tropischen Pflanzen, Zuckerrohr und Bananenstauden.

Dann erreichen wir mit der Stadt Pasaje wieder Meereshöhe, es ist dampfig aber gar nicht so heiß wie erwartet. Die Leute in den Bergen scheinen besser auf die Umwelt zu achten, jedenfalls sind, seit wir wieder unten sind, die Straßengräben voller Müll. Drei weitere Tage geht es durch Bananenplantagen, Strauchland und schließlich Küstewüste platt dahin, dann sind wir in Tumbes, der ersten Stadt in Nordperu (28.9.).