Als wir am nächsten Tag aufwachen, sind wir schon ganz aufgeregt - ein Paket aus D liegt für uns bei der Post bereit. Zwei Stunden dauern Formalitäten und $20 Zoll bei der Bank einzahlen, dann halten wir es endlich in der Hand: Oskar freut sich über Gummibärchen und neue Pixibücher, Hannes über warme Kleidung und Anja und Sophie über Seitenbachermüsli und Pralinen. Am Nachmittag geht es auf den Spielplatz für die Kinder. Abenteuerliche selbstgeschweisste Spielgeräte und Rutschen warten dort auf uns. Hier gibt es keinen TUEV, wir müssen die Risiken selbst einschätzen. Am nächsten Tag bewundern wir die Inkamauern und sehen uns gemeinsam das Museum für praekolumbianische Kunst an. Wir bekommen alle Lust am Töpfern und freuen uns über das Plastilin aus dem Paket.
Ursprünglich hatten wir vor den Inka Trail zu wandern, aber wir beschließen, dass wir die Tage lieber ruhiger gestalten wollen und fahren im Gringozug nach Aguas Calientes. Schon um 6 Uhr stehen wir Schlange für den Bus rauf nach Machu Picchu. Die Touristenhorden verlaufen sich zum Glück recht schnell und wir genießen, wie langsam der Nebel aufreißt und den Blick auf die Stadt freigibt. Mica, Sofia, Eloi (11) und Kia (9), die Familie aus Portugal, die wir schon in Cuenca, Pasaje und Cuzco immer wieder mal getroffen haben, sind auch da und wir ziehen gemeinsam los. Eloi und Kia freuen sich über den kleinen Bruder und die kleine Schwester und so wird es ein sehr entspannter Vormittag für uns alle. Am Nachmittag legen wir uns bei Regen in die heißen Quellen, bis schließlich unser Zug zurück nach Cuzco geht. Nach einem letzten organisatorischen Tag in Cuzco gönnen wir uns noch mal ein schönes Abschiedsessen und dann schwingen wir uns wieder auf unsere Räder in Richtung Lago Titikaka. Es geht jetzt immer ein flaches Flusstal hinauf, über Urcos nach Sicuani. Dann führt die Strasse bergauf bis zum Pass La Raya.
Uns kommt ein Radlerpärchen aus Spanien entgegen, die uns gleich zurufen "Ah - los Alemanes". Wie sich rausstellt haben die beiden sich mit den Radlern aus dem Baskenland über Uns unterhalten und das gerade mal 20 Minuten vorher. Die beiden Basken haben anscheinend das gleiche Ziel für heute Abend, Santa Rosa, und prompt treffen wir die beiden dort. Sie erzählen uns, dass sie auf der Strecke von Nazca nach Cuzco beide irgendwann Probleme mit den Gelenken bekommen haben und dann in den Bus umgestiegen sind. Sie haben sich aber in Cuzco schnell wieder erholt und können Gott sei Dank weiterreisen.
"GAMECUBE HITS BABY IN HIGH-TECH TRUCK"
Das kam so: Mit den Basken fahren wir bei toller Morgenstimmung - und guter Stimmung unsererseits dank Rückenwind - bis nach Ayaviri. Dort suchen wir einen Spielplatz für die Kinder zum austoben, als wir aber zum Plaza de Armas kommen sehen wir schon den 4x4 Truck von Mica, Sofia, Elloi (11) und Kia (9), der Familie aus Portugal, die wir schon in Cuenca, Pasaje und Cuzco immer wieder mal getroffen haben. Sie laden uns ein in ihrem Truck auf die Suche nach einer besonderen Kaktusart in der Nähe zu gehen. Der Truck ist bis unter die Decke mit Hightech voll gestopft: Applecomputer, Laptop, Din-A2 Drucker, Gamecube, Playstation, DVD, Brotbackmaschine (mein Favorit), GPS usw. Oskar und Sophie vergraben sich in der Spielzeugkiste von Eloi und Kia und sind selig. Die Kakteen wachsen etwas abgelegen, wir fahren erst eine Stunde auf Teer (zurück nach Santa Rosa - etwas deprimierend für uns), dann 10 min auf Schotter und schließlich folgen wir Spuren immer wilder querfeldein. Und wie das so ist, wenn man einen 4x4 Truck mit 1m großen Reifen und Doppelsperrdifferential hat, dann darf man natürlich vor Bachdurchquerungen nicht zurückschrecken (auch wenn es nur noch wenige Meter zu Fuß wären). Auf einmal schwankt der Truck voll auf eine Seite, alle Hochschränke gehen auf und uns haut es den Hightech Inhalt um die Ohren. Es geht alles glimpflich aus, nur Sophie trägt eine kleine (lt. Anja: große) Beule von dem Gamecube davon. Im Truck sieht es wüst aus, überall liegen Elektrogeräte, Kabel, Scherben und Spielzeug. Wie sich herausstellt, war der Truck zu breit und wir sind mit dem einen Hinterrad in ein tiefes Loch gefallen.
Den Truck bekommen wir schnell wieder befreit, Sophie lacht auch bald wieder, nur bei Mica und Sofia sitzt der Schock tief und es dauert bis sie sich wieder beruhigt haben. In Ayaviri gehen wir am Abend dann noch schön gemeinsam essen und verabschieden uns fürs erste.
Übers Altiplano geht es zügig voran, auch wenn der Wind immer öfters von vorne kommt, schaffen wir Etappen von 70 bis 100 Km. Über Juliaca, Puno, Juli brausen wir nach Copacabana in Bolivien. Dort gönnen wir uns einen Tag Pause und besuchen Isla del Sol, den Geburtsort der Inka.