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Nach der schlechten Erfahrung mit der Busfahrt im Norden von Chile wollten wir diesmal ganz sicher gehen, dass alle Raeder in unserem Bus mitgehen. Wir haben alles ganz klein zerlegt und kompakt verpackt, dementsprechend lange dauert es, bis wir in Osorno am Busbahnhof wieder radlbereit sind. Dann geht es erstmal Fruehstuecken ins Cafe "Kaffeestube". Hier in der Gegend hatten sich vor vier/fuenf Generationen jede Menge Deutsche niedergelassen. Es gibt jede Menge Restaurants, die in ihrem Namen (und stets mit einer der Fraktur aehnlichen Schriftart ) auf deutsche Herkunft hinweisen und eine Autowerkstatt "Hochglanz". Der Bezug zu Deutschland ist allerdings nur noch recht duenn, selbst in dem Restaurant "Wassermuhle", in dem sich der dt. Verein trifft, sind die wenigen deutschen Gerichte falsch oder noch schlimmer pseudodeutsch (Kuechen) geschrieben. Das einzige was sich durchgesetzt und in ganz Chile verbreitet hat, ist ein sehr leckeres Angebot an Kuchen.

Als wir aus Osorno rausradeln fuehlen wir uns wie im Voralpenland: gruene Blumenwiesen, Kuehe, bewaldete Huegel, Seen - nur die schneebedeckten Vulkane passen nicht ganz. Das grosse Seengebiet von Chile wollen wir wenigstens noch ein Stueckchen erleben und planen den Lago Llanquihue zu umrunden. Das Wetter ist wie bei uns im April - immer wieder heftige Schauer, dazwischen kommt die Sonne raus, trocknet uns ein bisschen, bis es dann wieder regnet und wir wieder patschnass sind. Fuer die Pausen suchen wir uns Bushaeuschen oder eine Cafeteria, in der es leckeren Kuchen gibt. Damit beim Radfahren die Energie nicht ausgeht fuehren wir immer fleissig Kalorien nach. Die Kinder essen genauso fleissig mit, was man zumindest Sophie am Kugelbauch ansehen kann.

Ueber Puerto Varas geht es weiter nach Puerto Montt, unserem Ausgangspunkt zur Insel Chiloe und weiter zur Carretera Austral. Vor vier Jahren war ich schon mal in der Stadt gewesen. Damals war alles noch so finster und heruntergekommen, dass wir uns sehr verwegen vorkamen am Abend zu Fuss in die Innenstadt zum Essen zu gehen. Den Eindruck den ich damals hatte, suche ich jetzt vergeblich, die Innenstadt ist modern und neu, koennte sich auch in Europa befinden. Chile wandelt sich rasant.

50 Kilometer geht es ueber sanft huegeliges Gelaende immer geradeaus, dann sind wir am Kuestenort, an dem die Faehre nach Chiloe uebersetzt. Die Insel ist nur wenige hundert Meter vom Festland entfernt und alle 15 Minuten setzt eine Faehre ueber. Im Ort auf der anderen Seite reagieren die Leute auf unsere Frage nach einem Campingplatz erstaunt und meinen, dass hier doch genuegend Platz waere - wir sollten unser Zelt einfach aufstellen. So zelten wir gleich hinter der Kirche auf dem Spielplatz, das ist mit den Kindern sehr praktisch. Die Nachbarin reicht uns noch zum Kuechenfenster einen Topf heisses Wasser heraus, um uns das Kochen zu erleichtern -> Chiloe stellt sich uns als sehr ruhige Insel mit sehr entspannten Bewohnern dar, ein Eindruck, der sich in den folgenden Tagen weiter bestaetigen wuerde.

Gleichzeitig mit sehr dunklen Wolken erreichen wir am naechsten Tag mittags Ancud im Norden der Insel. Waehrend wir im Restaurant Fisch und Muscheln essen, regnet es draussen immer heftiger und wir beschliessen es bei einem kurzen Tag zu belassen. Der Campingplatz ist auf den Regen schon gut vorbereitet, jeder Platz hat eine ueberdachte Sitzgruppe. Wir erfahren, dass es auf Chiloe zehn Monate im Jahr nur regnet und Januar und Februar die einzigen Monate mit etwas Sonnenschein sind.
 Die Kinder spielen unter dem Dach Lego, waehrend wir schnell unser Zelt aufstellen. In Buddelhosen und Regenjacken geht es dann auf den Spielplatz und angesichts Drehwippen und Eichhoernchenschaukeln vergessen zumindest Oskar und Sophie sofort das Wetter.

Auf den letzten hundert Kilometern der offiziellen Panamericana (oder Ruta 5 - wie auch immer) sehen wir schon von Weitem ein buntes Faehnchen wedeln. Die beiden Schweizer Sarah und Dominique sind auf einem Tandem mit ihrer Tochter Jade (2 1/2) in einem Kinderanhaenger unterwegs Richtung Norden (Homepage: www.jasado.ch). Schade, dass es in entgegengesetzte Richtung geht. So koennen wir nur kurz auf dem Seitenstreifen unsere Erfahrungen austauschen. Die Kinder ahnen das wohl auch, halten sich nicht gross mit Kennenlernen auf, sondern beginnen direkt zu spielen. Die drei sind mit einem ungefederten Anhaenger unterwegs und erzaehlen, dass sie mit diesem die unbefestigten Strassen nicht fahren koennen, weil Jade darin sonst zu sehr herumgeworfen wird. So bekommen wir noch die Bestaetigung fuer die Nerven und den Aufwand, den der Umbau unseres Anhaengers gekostet hat.

Von der zentralen Ruta 5 biegen wir Richtung Quemchi an der Ostkueste ab und radeln sehr ruhige Schotterstrassen entlang. Die Leute weiterhin freundlich, die Sonne scheint drei Tage am Stueck und am Horizont jenseits des Kanals leuchten die schneebedeckten Gipfel der Anden. Die Sehenswuerdigkeiten und Nationalparks lassen wir aus, und lassen uns einfach so von der Insel verzaubern.

Von der Hafenstadt Castro aus buchen wir die Faehre quer ueber den Canal de Ancud nach Chaiten. Die Faehre faehrt nur dreimal pro Woche und so treffen sich dort die wenigen Touristen, die auf der Insel unterwegs sind. Es regnet jetzt wieder und waehrend wir im Warteraum auf die verspaetete Faehre warten suchen sich Sophie und Oskar Spielkameraden unter den aelteren und juengeren Reisenden.

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