Neben der unglaublich langen Touristenmeile, an der sich Internetcafe und Souvenirladen
jeweils abloesen, gibt es in El Calafate als Attraktion nur den Perito Moreno Gletscher. Wir
leihen uns gemeinsam mit einer Australierin ein Auto aus und fahren auf eigene Faust dorthin.
Das ist ganz angenehm, so entkommen wir dem Touristshuttles. Leider hat sich rund um den
Gletscher ein recht regnerisches Mikroklima gebildet und obwohl in Calafate schoenster
Sonnenschein ist, bedecken dunkle Wolken den Himmel beim Gletscher und es nieselt bestaendig.
Die Front des Gletschers ist riesig: 80m hoch und Kilometer breit. Doch so richtig bewusst
wird uns die Groesse erst, als vermeintlich kleine Stuecke abbroeckeln und dann sehr lange
fliegen, bis sie mit gewaltigem Getose im Wasser aufschlagen. Wir haben sogar das Glueck
erleben zu duerfen, wie einer der 80 m hohen Seracs langsam kippt und ins Wasser kracht.
Oskar erzaehlt noch Tage spaeter von dem Eisberg, der umgestuerzt ist. Das Nieseln geht bald
in Regen ueber und es wird uns zu ungemuetlich, um noch laenger zu bleiben. Mit dem kurzen
aber intensiven Eindruck fahren wir wieder zurueck in die Sonne, nach Calafate.
Wie schon von El Chalten nach El Calafate fuehrt uns die Strasse nach Puerto Natales auch erst mit kraeftigem Rueckenwind nach Osten, dann bei Seitenwind nach Sueden und schliesslich heisst es wieder gegen den Wind nach Westen zu radeln. Wir stehen extra frueh auf, damit wir am windstillen Vormittag genuegend Strecke machen koennen. Am ersten Tag funktioniert dies auch gut, wir erreichen schon Mittags unser Tagesziel und statt uns ueber den Wind zu aergern, schlagen wir das Zelt auf und verbringen den Nachmittag LEGO spielend.
Am naechsten Tag beginnt der Gegenwind leider schon um 9 Uhr. Probeweise halten wir beim naechsten Pick Up den Daumen raus und sitzen auch schon drin. Der Fahrer ist der Besitzer einer der vielenEstancias, die es hier gibt, und kann uns bis nach Rio Turbio, kurz vor der Grenze nach Chile bringen. Er erzaehlt, dass seine Estancia mit 30.000 Hektar von der Groesse zum Durchschnitt zaehle und 14.000 Schafen besitze. Wir sind erstaunt, dass sein Hauptgeschaeft gar nicht die Wolle ist, sondern der Verkauf von Lammfleisch, der 70% ausmacht. Insbesondere aus Europa sei die Nachfrage momentan sehr hoch.