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Per Faehre geht es am x.y frueh morgens ueber die Strasse von Magellan auf die Insel Feuerland. Drei Stunden brauchen wir, um den Hafen Porvenir zu erreichen. Das letzte Stueck des Wegs liefern sich Delfine  ein Rennen mit dem Schiff, tauchen unter dem Kiel auf die andere Seite und springen vergnuegt aus dem Wasser. Das vertreibt uns die melancholische Stimmung, die wir angesichts unserer letzten Reiseetappe haben. Mit uns an Bord ist Cedric, ein Radler aus der Schweiz, der alleine unterwegs ist. Er hat erst vor zwei Monaten seine Reise begonnen und ueberlegt bis Alaska zu fahren. Wenn wir es recht bedenken ist es fuer uns jetzt der richtige Zeitpunkt unsere Reise zu beenden. Zumindest koennen wir uns nicht vorstellen nochmal so viel Strecke vor uns zu haben.

In Porvenir lassen wir uns von drei Polizisten ein Restaurant zum Mittagessen empfehlen. Ihnen ist es sehr wichtig, dass wir den Weg gut finden und so erklaeren sie uns erst 10 Minuten lang den Weg und bieten dann noch an mit dem Wagen vorauszufahren. Wir finden es aber auch so: man musste nur einmal rechts abbiegen. Nach einem gemeinsamen Mittagessen mit Cedric geht es fuer uns los, wir wollen noch einige Kilometer schaffen, um in der Einsamkeit wild zelten zu koennen.

Auf einer sehr glatten Erdpiste geht es der Kueste entlang und der Wind schiebt auch noch an. Fuer eine Insel die Feuerland heisst und mit dem "Ende der Welt" wirbt, ist die Landschaft erstaunlich friedlich. Sanfte mit Gras bewachsene Huegel laufen zum Meer hin in Straenden mit Kieseln aus. Waehrend wir radeln koennen wir im Meer weiterhin Delfine beobachten und freuen uns. An einem Strand haben sich Tausende von Seevoegeln versammelt. Als wir naeherkommen fliegen erst ein zwei weg, dann bricht der Damm und die ganze Vogelschar fliegt auf. So einig sich die Voegel waren vor uns zu fluechten, so uneins sind sie sich beider Richtung. Der Himmel ist schwarz von dem wilden Durcheinander.

28 Kilometer schaffen wir noch, dann schlagen wir unser Zelt auf einer Anhoehe auf und geniessen die warmen Farben bei Sonnenuntergang. Um Mitternacht zeigt sich, dass meine Wahl beim Essen in Porvenir nicht die beste war: Immer wieder muss ich raus in die Eiseskaelte und den Wind um alles auszukotzen und Durchfall habe ich auch noch. In den Pausen liege ich in meinem Schlafsack im Zelt und schlottere am ganzen Koerper. Erst um drei Uhr morgens beruhigt sich mein Koerper und ich kann endlich schlafen. Am naechsten Morgen habe ich leicht erhoehte Temperatur und fuehle ich mich entsetzlich verkatert. Kein Wunder, denn ich bin voellig dehydriert. Ich schwoere mir schon nie wieder Alkohol anzuruehren, bis mir einfaellt, dass es das ja gar nicht war. An Fahrradfahren ist so nicht zu denken und wir verbringen den Tag hauptsaechlich im Zelt, das von einem starken Westwind hin und hergerissen wird. Das waere ein bombiger Rueckenwind geworden.

Ushuaia

Am darauffolgenden Tag ist das Fieber weg und ich fuehle mich schon etwas besser, so dass wir beschliessen weiterzufahren. Der schoene Rueckenwind hat sich leider in einen Gegenwind gewandelt und noch dazu regnet es. Als der Weg von der Anhoehe wieder nach unten zu einer Bucht mit Strand fuehrt, wird der Boden sehr weich. Nach wenigen Metern sind die Reifen mit einer so dicken Lehmschicht ueberzogen, dass sie sich nicht mehr durch die Schutzbleche drehen lassen. Nur noch schiebend kommen wir hier voran. Na das kann ja heiter werden. Aber nach 300 Metern ist die Schlammschlacht ueberraschenderweise schon wieder vorbei und nur noch die total verdreckten Fahrraeder und Packtaschen sind Zeugen.

Puenktlich zur ersten Pause erreichen wir eine Estancia. Der Besitzer ist gerade am Wegfahren. Als er uns aber im Rueckspiegel abbiegen sieht, kehrt er nochmal um und zeigt uns ein kleines Huettchen, in dem wir fuer die Pause bleiben koennen. Es gibt sogar einen kleinen Ofen und so koennen wir im Warmen unser zweites Fruehstueck essen.

Bei der Mittagspause haben wir weniger Glueck. Da es immer noch leicht nieselt packen wir die Kinder in Buddelhosen  und Regenjacken. Oskar ist gut gelaunt, aber Sophie ist gerade erst aufgewacht und heult jetzt wegen Hunger und der Kaelte. Nur langsam laesst sie sich zu ein paar Keksen ueberreden. Mit der getankten Energie ist sie dann auch zu einem langsamen Trab bereit und ihr Kreislauf kommt in Schwung.

Gerade als wir uns entschliessen weiterzufahren kommt ein leerer Pick Up die Strasse hoch - und wir sitzen auch schon drin. Weit kann er uns zwar nicht mitnehmen, dann biegt er ab, aber zum vollstaendigen Aufwaermen reicht es. Ueber den Grenzuebergang San Sebastian kommen wir wieder nach Argentinien und mit gutem Wind in einem weiteren Tag nach Rio Grande. Fuer Feuerland hatten wir einige Reservetage mit eingeplant, so dass wir die  letzten Etappen ruhig angehen lassen koennen und sehr geniessen. Ab Rio Grande aendert sich die Landschaft nochmal sehr, aus den flachen Wiesen werden zuerst bewaldete Huegel und schliesslich wird es richtig bergig. Waehrend in den Taelern die Baeume noch gruen sind, werden sie an den Haengen erst gelb und laufen zur Baumgrenze hin rot aus. Die Bergspitzen sind schroffer nackter Fels.

Die letzte Nacht im Zelt verbringen wir am Ufer des Lago Escondido (versteckter See). Wir haben einen traumhaften Zeltplatz ganz fuer uns und geniessen den Abend am Lagerfeuer. Ein zutraulicher Fuchs kommt uns auch noch besuchen und ist aber dann doch enttaeuscht keine Asadoreste vorzufinden.

Am Morgen schaffen wir es gerade noch unser Zelt trocken einzupacken, als es zu regnen beginnt. Vollkommen durchnaesst erreichen wir eine Stunde spaeter den kleinen Garibaldi Pass. An das flache Land gewoehnt, hatten uns die Leute von Feuerland schon ausgiebigst vor dem "steilen" Pass gewarnt und wir koennen zuerst noch gar nicht glauben, dass es das jetzt schon gewesen sein soll. Bergauf war uns noch schoen warm, den Berg hinunter kuehlt uns der Fahrtwind sehr aus und wir sind froh, dass uns drei Strassenarbeiter in ihr warm Huettchen winken und Maté anbieten. Jorge, Ramirez und Jesus kommen aus dem anderen Ende von Argentinien und haben jetzt hier im  mehrere Tausend Kilometer entfernten vom Tourismus boomenden Sueden Arbeit gefunden. Wie sich rausstellt, hatten wir den dreien am Tag zuvor schon von der Strasse aus zugewunken und sie freuen sich sehr uns jetzt helfen zu koennen.

Wenige Kilometer spaeter beginnen mit Cabanas, Ecotourismos und Hosterias die touristischen Auslaeufer Ushuaias und auch der Shuttleverkehr nimmt zu. Eine Kekspause mit Ballspiel legen wir noch ein, dann oeffnen sich auch schon die Berge und wir blicken hinaus auf den Beaglekanal. Wenig spaeter rollen wir dann auch schon nach Ushuaia hinein. Dort wissen wir erstmal gar nicht, was wir machen sollen - Foto schiessen, Sekt trinken, oder einfach direkt zum Hotel? Nur die Traenen im Auge unterscheidet die Einfahrt nach Ushuaia in die anderer Staedte. Da ich den Sekt alleine trinken muesste, feiern wir mit Eis fuer alle. Die Kinder wissen zwar nicht was Ende der Reise genau bedeuten soll, aber mit dem Eis sind sie trotzdem einverstanden.

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