Am darauffolgenden Tag ist das Fieber weg und ich fuehle mich schon etwas besser, so dass wir beschliessen weiterzufahren. Der schoene Rueckenwind hat sich leider in einen Gegenwind gewandelt und noch dazu regnet es. Als der Weg von der Anhoehe wieder nach unten zu einer Bucht mit Strand fuehrt, wird der Boden sehr weich. Nach wenigen Metern sind die Reifen mit einer so dicken Lehmschicht ueberzogen, dass sie sich nicht mehr durch die Schutzbleche drehen lassen. Nur noch schiebend kommen wir hier voran. Na das kann ja heiter werden. Aber nach 300 Metern ist die Schlammschlacht ueberraschenderweise schon wieder vorbei und nur noch die total verdreckten Fahrraeder und Packtaschen sind Zeugen.
Puenktlich zur ersten Pause erreichen wir eine Estancia. Der Besitzer ist gerade am Wegfahren. Als er uns aber im Rueckspiegel abbiegen sieht, kehrt er nochmal um und zeigt uns ein kleines Huettchen, in dem wir fuer die Pause bleiben koennen. Es gibt sogar einen kleinen Ofen und so koennen wir im Warmen unser zweites Fruehstueck essen.
Bei der Mittagspause haben wir weniger Glueck. Da es immer noch leicht nieselt packen wir die Kinder in Buddelhosen und Regenjacken. Oskar ist gut gelaunt, aber Sophie ist gerade erst aufgewacht und heult jetzt wegen Hunger und der Kaelte. Nur langsam laesst sie sich zu ein paar Keksen ueberreden. Mit der getankten Energie ist sie dann auch zu einem langsamen Trab bereit und ihr Kreislauf kommt in Schwung.
Gerade als wir uns entschliessen weiterzufahren kommt ein leerer Pick Up die Strasse hoch - und wir sitzen auch schon drin. Weit kann er uns zwar nicht mitnehmen, dann biegt er ab, aber zum vollstaendigen Aufwaermen reicht es. Ueber den Grenzuebergang San Sebastian kommen wir wieder nach Argentinien und mit gutem Wind in einem weiteren Tag nach Rio Grande. Fuer Feuerland hatten wir einige Reservetage mit eingeplant, so dass wir die letzten Etappen ruhig angehen lassen koennen und sehr geniessen. Ab Rio Grande aendert sich die Landschaft nochmal sehr, aus den flachen Wiesen werden zuerst bewaldete Huegel und schliesslich wird es richtig bergig. Waehrend in den Taelern die Baeume noch gruen sind, werden sie an den Haengen erst gelb und laufen zur Baumgrenze hin rot aus. Die Bergspitzen sind schroffer nackter Fels.
Die letzte Nacht im Zelt verbringen wir am Ufer des Lago Escondido (versteckter See). Wir haben einen traumhaften Zeltplatz ganz fuer uns und geniessen den Abend am Lagerfeuer. Ein zutraulicher Fuchs kommt uns auch noch besuchen und ist aber dann doch enttaeuscht keine Asadoreste vorzufinden.
Am Morgen schaffen wir es gerade noch unser Zelt trocken einzupacken, als es zu regnen beginnt. Vollkommen durchnaesst erreichen wir eine Stunde spaeter den kleinen Garibaldi Pass. An das flache Land gewoehnt, hatten uns die Leute von Feuerland schon ausgiebigst vor dem "steilen" Pass gewarnt und wir koennen zuerst noch gar nicht glauben, dass es das jetzt schon gewesen sein soll. Bergauf war uns noch schoen warm, den Berg hinunter kuehlt uns der Fahrtwind sehr aus und wir sind froh, dass uns drei Strassenarbeiter in ihr warm Huettchen winken und Maté anbieten. Jorge, Ramirez und Jesus kommen aus dem anderen Ende von Argentinien und haben jetzt hier im mehrere Tausend Kilometer entfernten vom Tourismus boomenden Sueden Arbeit gefunden. Wie sich rausstellt, hatten wir den dreien am Tag zuvor schon von der Strasse aus zugewunken und sie freuen sich sehr uns jetzt helfen zu koennen.
Wenige Kilometer spaeter beginnen mit Cabanas, Ecotourismos und Hosterias die touristischen Auslaeufer Ushuaias und auch der Shuttleverkehr nimmt zu. Eine Kekspause mit Ballspiel legen wir noch ein, dann oeffnen sich auch schon die Berge und wir blicken hinaus auf den Beaglekanal. Wenig spaeter rollen wir dann auch schon nach Ushuaia hinein. Dort wissen wir erstmal gar nicht, was wir machen sollen - Foto schiessen, Sekt trinken, oder einfach direkt zum Hotel? Nur die Traenen im Auge unterscheidet die Einfahrt nach Ushuaia in die anderer Staedte. Da ich den Sekt alleine trinken muesste, feiern wir mit Eis fuer alle. Die Kinder wissen zwar nicht was Ende der Reise genau bedeuten soll, aber mit dem Eis sind sie trotzdem einverstanden.